Schulkooperation mit Wenzhou unterzeichnet
29.10.2013 – GIESSEN
AUSTAUSCH Bereits im Sommer reisen Schüler der Gesamtschule Ost nach China

Zhang Zhihong vom Wenzhou Education Bureau und Heinz Kipp, Leiter des Staatlichen Schulamts, unterzeichnen den Rahmenvertrag für Schüleraustausch und weitere Kooperationsprojekte.
Foto: Docter
Darauf sowie auf weitere Kooperationsprojekte verständigten sich gestern Vertreter aller Beteiligten mit der Unterzeichnung eines Rahmenvertrags zwischen dem Education Bureau in Wenzhou, das eine achtköpfige Delegation entsandt hatte, und dem Staatlichen Schulamt Gießen. Nachdem die GGO bereits seit zwei Jahren – also fast genauso lange wie die im Sommer 2011 geschlossene Städtepartnerschaft – eine Kooperation mit der Foreign Language School in Wenzhou unterhält, die in den Vertrag einfließt, vereinbarte gestern auch die BGS eine Zusammenarbeit mit der Wenzhou Middle School, wofür auf deutscher Seite Schulleiter Rainer Kries die Unterschrift leistete.
„Für unsere Stadt ist dieses Austauschprogramm etwas ganz Besonderes“, betonte Schuldezernentin Astrid Eibelshäuser. Sowohl für Gießen als Bildungsstadt und die beiden Schulen als auch für teilnehmende Schüler, denen die Möglichkeit eröffnet werde, „viele neue Erfahrungen zu machen“. Schulamtsdirektor Heinz Kipp, der den Rahmenvertrag mit seinem Gegenpart Zhang Zhihong unterzeichnete, sieht die Städtepartnerschaft „mit Leben gefüllt“, wenn mit dem Austausch nun „junge Menschen beider Seiten miteinander in Kontakt kommen“. Laut Zhang seien „die Aussichten für den Austausch unermesslich“, sprach er von dem „Beginn einer neuen Phase der Städtepartnerschaft“. Seine Ankündigung, die pädagogische Zusammenarbeit „in Zukunft weiter intensivieren“ zu wollen, dürften die Gastgeber nur zu gerne vernommen haben.
Eibelshäuser sprach allen Beteiligten, den Schulen wie auch ebenfalls anwesenden Mitgliedern des Vereins zur Förderung der Städtepartnerschaft Gießen-Wenzhou, für ihr Engagement den Dank der Stadt aus. Während Zhang umgekehrt für den „sehr herzlichen Empfang“ dankte, „ich fühle mich hier wie zuhause“. Dazu trugen sicherlich auch die beiden Liedvorträge bei, die Sechstklässler der GGO auf Deutsch und Englisch in der Schulbibliothek den Gästen darbrachten. Vorher waren dort zwischen beiden Seiten letzte Details geklärt worden.
Gießener Allgemeine Zeitung vom 29.10.2013:
Schüleraustausch mit Wenzhou geplant
Gießen (pd). Im kommenden Frühjahr wird eine Schülergruppe der Gesamtschule Gießen-Ost die »Foreign Language School« in Wenzhou besuchen. Der chinesische Gegenbesuch ist für den Juli geplant.

Der Schüleraustausch zwischen Gießen und Wenzhou ist besiegelt. Im Namen der deutschen und der chinesischen Delegation unterzeichnen Schulamtsdirektor Kipp (r.) und Zhang Zhihong das Abkommen. (Foto: Schepp)
»Wir werden die Städtepartnerschaft mit Leben füllen, wenn wir junge Menschen aus beiden Ländern zueinanderbringen«, sagte Schulamtsleiter Heinz Kipp am Montag bei der Unterzeichnung des Rahmenabkommens für ein Austauschprogramm mit Schulen der Gießener Partnerstadt Wenzhou.
Der Grundstein für konkrete Schulpartnerschaften war beim Besuch einer Delegation mit Vertretern von Schulamt und Gießener Schulen in Wenzhou vor zwei Jahren gelegt worden. Seitdem hat sich viel getan. Auch die Brüder-Grimm-Schule wird sich am Austauschprogramm mit der chinesischen Millionenstadt beteiligen. Partner der integrierten Gesamtschule in Kleinlinden ist die »Wenzhou Experimental Middleschool«. Ebenfalls in den Startlöchern steht die Friedrich-Feld-Schule. Der erste Austausch zwischen Schülern der kaufmännischen Berufsschule und chinesischen Jugendlichen sei für 2015 geplant, berichtete Schulleiterin Annette Greilich im GAZ-Gespräch.
Zu Beginn der kleinen Feierstunde in der Mediothk der Ostschule hatte Direktor Heribert Ohlig die chinesische Delegation vom »Wenzhou Education Bureau« sowie die Vertreter von Schulamt, Magistrat und Gießener Schulen begrüßt. Musikalisch eingestimmt auf die Vertiefung der Partnerschaft wurden die Gäste mit zwei Liedbeiträgen der GGO-Klasse 6c.
Mit der Unterzeichnung der Verträge werde die Städtepartnerschaft zwischen Gießen und Wenzhou »konkretisiert«, betonte Stadträtin Astrid Eibelshäuser, die den soeben beschlossenen Schüleraustausch als »etwas ganz Besonderes für unsere Stadt« bezeichnete. Die Schuldezernentin ging auch auf das Programm der chinesischen Delegation ein. Die Gäste aus Wenzhou hätten am Vormittag einen »vielfältigen Eindruck von den Gießener Schulen« gewinnen können. Besucht wurde unter anderem der Chinesischunterricht einer Klasse der Gesamtschule Ost. Bildungsprogramme dieser Art passten in besonderer Weise zu einer Stadt wie Gießen mit rund 17 000 Schülern.
Durch die Vertragsunterzeichnung beginne eine »neue Phase der Zusammenarbeit«, unterstrich der chinesische Delegationsleiter Zhang Zhihong. Der stellvertretende Leiter des »Wenzhou Education Bureau« – vergleichbar mit dem Staatlichen Schulamt – bezeichnete die pädagogische Zusammenarbeit der Schulen als sehr wichtig. »Ich hoffe, dass unsere Länder davon profitieren.«
Partnerschaftsverein gegründet
AUSTAUSCH Begegnung von Menschen aus Gießen und Wenzhou unterstützen
Gießen (red). Im Sommer 2011 hat Gießen mit Wenzhou (VR China), einer Millionenstadt am Südchinesischen Meer in der Provinz Zhejiang, einen Partnerschaftsvertrag unterzeichnet. Vorangegangen waren mehrere Jahre, in denen im Rahmen einer Kooperationspartnerschaft gegenseitige Delegationsbesuche stattfanden und das Interesse an einer Intensivierung der Kontakte auf beiden Seiten wuchs. Insbesondere im schulischen Bereich hat sich dabei eine Bereitschaft zum Dialog und zum Schüler- und Lehreraustausch ausgebildet.
Auf Initiative des Staatlichen Schulamtes wurde daher jetzt ein Partnerschaftsverein mit dem Namen “Verein zur Förderung der Städtepartnerschaft Gießen-Wenzhou” ins Leben gerufen. Die 10 Gründungsmitglieder betonten in der Gründungsversammlung am 29. August 2013 die Absicht, mit dem neuen Verein die Begegnung von Menschen aus beiden Städten sowie den schulischen, kulturellen und künstlerischen Austausch unterstützen zu wollen. Eine Anerkennung der Gemeinnützigkeit soll beantragt werden.
Zum Vorsitzenden wurde der ehemalige Leiter der Gießener Theodor Litt Schule, Joachim Scheerer, gewählt. Sein Stellvertreter ist Harald Scherer, ehemaliger Stadtrat und Schuldezernent der Stadt Gießen. Weitere Funktionen im Vorstand haben der Leiter des Staatlichen Schulamtes, Heinz Kipp (Schriftführer), sowie die Schulleiterin der Friedrich Feld Schule, Annette Greilich (Kassenwart).
Die für die Städtepartnerschaften der Stadt Gießen zuständige Stadträtin Astrid Eibelshäuser zeigte sich erfreut über die Vereinsgründung und beglückwünschte den Vorstand zur Wahl. Sie betonte in ihrem Grußwort, dass Städtepartnerschaften nur dann erfolgreich seien, wenn die Menschen zueinander kommen könnten und dabei ein reges Miteinander entstehe. Aktivitäten seien auch im Rahmen der bevorstehenden Landesgartenschau geplant.
(Die Gründungsmitglieder von links: Frank Reuber, Elizabeth Regan, Heinz Kipp, Harriet Kühnemann, Astrid Eibelshäuser, Benno Koltermann, Susanne Koltermann, Annette Greilich, Harald Scherer, Joachim Scheerer und Kerstin Gromes)
Der Vorsitzende des neu gegründeten Vereins, Joachim Scherer, führte in seinen Worten zur Amtsübernahme aus, dass Partnerschaftsbeziehungen zwischen Städten zuallererst einmal unpolitisch sein müssen. Sie sollten dem Austausch kultureller, künstlerischer und schulischer Anliegen dienen und private oder auf Vereins- und Verbandebene liegende Kontakte fördern.
Scheerer weiter: “Trotz allem können aber auch Städtepartnerschaften nicht so agieren, als befänden sie sich in einem neutralen unpolitischen Raum. Selbstverständlich muss im Rahmen der Vereinsaktivitäten auch zu Fragen Stellung bezogen werden wie, ist eine Partnerschaft, ein Schüleraustausch, gerade mit einer chinesischen Millionenmetropole politisch angezeigt? Ich denke hier an die Menschenrechtsdiskussion, an Tibet, an Presse- und Internetfreiheit. Ist sie überhaupt nachhaltig zu organisieren, denkt man an die Entfernung und die anfallenden Kosten? Welche Vorteile, welcher Gewinn kann aus solch einer Partnerschaft gezogen werden?”
Trotz dieser offenen Fragen wollen die Vereinsmitglieder zu einer Annäherung von Bürgern beider Partnerstädte aktiv beitragen.
Der Verein freut sich auf weitere Bürgerinnen und Bürger, die sich im Rahmen der Städtepartnerschaft engagieren und Mitglied werden wollen. Kontaktaufnahme ist über folgende Mailadresse möglich: verein.giessen.wenzhou@t-online.de
Eines der ersten größeren Vorhaben des Vereins wird es sein, im nächsten Jahr mit einem Schüleraustausch von zunächst 15 bis 20 Schülerinnen und Schülern zu beginnen und die Zahl der Teilnehmer in der Folgezeit zu vergrößern. Mit den chinesischen Partnern ist bereits vereinbart, dass die Schülergruppe zur Osterzeit nach Wenzhou reisen kann. Der Gegenbesuch von Schülerinnen und Schülern aus Wenzhou wird vor Beginn der Sommerferien 2014 erwartet.